/Norwegen Tag 1 – Davon, den richtigen Weg und den besten Zeltplatz zu finden

Norwegen Tag 1 – Davon, den richtigen Weg und den besten Zeltplatz zu finden

Die besten Dinge starten zu Beginn selten reibungsfrei. Manchmal ist es der Weg selbst, der sich verborgen zwischen Birken so gut versteckt, dass wir heute nach dem Motto laufen: Der Weg ist das Ziel. Welch Ironie. Kraxeln die steilen Hänge einer Abraumhalde hinauf, wagen uns ein paar hundert Meter in die Wildnis, doch kein Weg. Erst auf halbem Weg zurück zur Bahnstation, gut 2h später. Ein ausgetrampelter Pfad, kaum zu sehen und leicht bedeckt von schüchtern wachsendem Gras. Es kann losgehen!

gopr0312

Waldiges Gelände führt uns emporwärts. Unaufhaltsamer Nieselregen prasselt auf Kleidung, Rucksack, Brille. Willkommen im Fjell. Immer weiter zieht sich der Pfad den Hügel hinauf. Regel Nummer 1: Läufst du 10 Höhenmeter hinauf, so geht es mindestens auf der anderen Seite wieder 5m hinunter, nur um dann wieder 10 Höhenmeter hinaufzuführen. Zwischendurch immer wieder die Karte checken. Diesen Weg wollen wir nicht verlieren.

bildschirmfoto-2016-10-07-um-13-26-16

Dennoch. Irgenwann ist man oben. Und dann belohnen die Blicke über weite Ebenen mit tief darinhängenden Wolkenmassen jede Anstrengung. Viele Kilometer erstreckt sich vor uns ein grauer See zwischen mehreren Bergmassiven. Aufgewirbelt durch einen rauen Wind. Inmitten des Sees befinden sich zwei Inseln. Im Sommer genial. Wagen den Abstieg zu einer Hütte am Ufer. Abgeschlossen. Im Ernst. Genießen unser Frühstück im Wind davor. Genauso gut.gopr0317

Folgen den dicht am See verlaufenden Weg. Zunächst kommen wir über ebenes Terrain gut vorran und trotzdem dem Regen. Nach wenigen Kilometern stecken wir mittem im waldigen Morast und der Regen setzt wieder ein. Von unserem Tagesziel, wenigstens noch einen Teil des Steindalen zu durchqueren, sind wir längst abgerückt. Dafür ist die Markierung gut nachzuvollziehen.

bildschirmfoto-2016-10-07-um-13-39-42

Zwischendurch immer wieder kleinere Anstiege. Kleine Sumpfgebiete liegen wie auf Terrassen vor uns. Bei Regen laufen diese wie Bassins voll. Ein kleiner Vorgeschmack. Versuchen empirisch herauszufinden, welche Gräser die größte Trittfestigkeit besitzen. Klappt. Meistens.

gopr0325

Verabschiede mich nach wenigen Metern vom neuwertigen Look der Fjäll Räven Hose. Der Matschkrustenpegel übersteigt mittlerweile die Mitte des Oberschenkels. Weiter so. Die Erde quittiert Fehltritte mit einem lauten Schmatzen. Am Wegesrand befinden sich handtellergroße Pilze von braunem, rotem und weißem Farbton.

gopr0328

Der Weg führt uns Stück für Stück immer weiter das Bergmassiv hinauf. Über uns ist nicht mehr auszumachen, von welcher Wolkenfront wir mit Regengüssen bedacht werden. Wind vom Steindalen aus kommend pustet uns die dicken Regentropfen direkt ins Gesicht.

gopr0329

Insgesamt bestreiten wir an diesem Tag einige Kilometer im Vorgriff auf die morgige Etappe. Irgendwann sind wir so nass und der Gegenwind bläst so stark, dass wir eine geeignete Stelle als unseren Zeltplatz auswählen.

bildschirmfoto-2016-10-11-um-11-07-02

Das Panorama beigeistert uns, obwohl der Regen zunächst von seiner Intensität noch zu nimmt.

bildschirmfoto-2016-10-11-um-11-08-33

Glitzernd funkelnd liegt der See plötzlich vor uns, als sich einzelne Sonnenstrahlen einen Weg durch die bauschige Wolkenschicht bahnen.

gopr0349

Zur linken liegt ein kleines Flussdelta. Jahrelanges zuführen von Schlamm hat mit der Zeit eine halbmondförmige Insel aufgeschichtet. Danach fällt die Grundlinie stark ab.

gopr0344

Das erste Mal Wasserfiltern draussen. Die Wasserstelle gleich einem Gemälde. Mit erröteten Fingern pressen wir das eiskalte Wasser durch die Sawyerfilter in unsere Trinkflaschen.

gopr0343waterfall

Kurz vorm Regenschauer steht unser Lager. Alles ist verzurrt und ins Trockene gebracht. Schutz suchen. Etappe eins ist geschafft. Schlafen.

g0040353

*/ Der Name des Sees lautet „Kjemavatnet“.