/Wildnis – 1 = Dienstag, 30.08.2016

Wildnis – 1 = Dienstag, 30.08.2016

Theorie und Praxis sind immerhin manchmal deckungsgleich. Schlafen an Flughäfen erweist sich als etwa so erholsam, wie der Versuch Schlaf zu finden, wenn ein Stockwerk höher eine WG-Party stattfindet. Wachwerden im Minuten Takt. Handy. Portmonnaie. GoPro. Alles noch da.

05.00h. Beide Hände eingeschlafen. Nächstes mal vielleicht doch nicht alles so fest umklammern. Zeit zum Aufstehen. Dank großem Polizeiaufgebot kommt hier nichts weg. Dennoch: Musternde Blicke von Pauschaltouristen durchbohren uns beim Aufräumen. Scheint für so manch einen doch nicht so einfach zu sein Dinge zu akzeptieren, die außerhalb der Norm liegen. Auf der anderen Seite: Es gibt dann doch genug Gleichgesinnte, die sich langsam auf den Weg zu ihrem Flieger machen.

F und ich suchen Netto, um Frühstück zu kaufen. 2 Baguettes, Käse, Wurst. Großartig simpel. Wozu Fertigessen vom Bistro, wenn man doch seinen gesamten Hausstand mit sich herumträgt? Feiern unser Festmahl direkt vor dem Check-In. Diesmal gibts neidische Blicke.

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Check-In. Kein Alarm trotz weißem Milchpulver im Handgepäck. Rucksackgewicht liegt bie 19,8kg. Glück gehabt! Der Rest kommt ins Bordgepäck. Wir rollen auf die Startbahn. Sanfte Müdigkeit überwältigt mich.

Erst eine sanfte Landung weckt mich wieder. Temperatursturz. Unwillkürlich überkommt mich ein leichtes Zittern. Die skandinavische Interpretation von Sommer ist in den ersten fünf Minuten immer etwas gewöhnungsbedürftig. Von draussen prasseln dicke, kugelige Tropfen an die Scheiben. Kleine Seen bilden sich auf dem Rollfeld neben uns.

Eingangshallle Trondheim Lufthavn. Niemand mustert uns. Drei vollbepackte Menschen scheinen für die Norweger kein ungewohntes Bild abzugeben. Erblicke erstaunt ein Tesla-Taxi. Unser Versuch, beim Busfahrer nach Trondheim Innenstadt bar zu bezahlen, führt zu einem wissenden, verständnisvollen Lächeln. Immerhin keine Kartengebühren. Busfahrt. Zirka 30 Minuten braucht der Shuttle-Bus vom Flughafen zur Innenstadt. Um die Unterhaltung zu wahren, sind sämtliche Ansagen des sehr freundlichen Busfahrers auf Norwegisch. Ab und zu mustert mich der Busfahrer im Rückspiegel fragend, ob wir aussteigen wollten. Nehmen eine Haltestelle nach Gut Glück und liegen genau richtig.

Sport 1 Trondheim

Gaskartuschen auftreiben. Ohne sie geht die nächsten 10 Tage nichts. Entdecke zum Glück zwei Straßen weiter einen Outdoorladen, der eine großen Vorrat besitzt. Damit wäre dann auch bewiesen, dass man in Trondheim ohne Probleme Kartuschen kaufen kann (ganz anders, als es weitläufig im Internet heißt). Belassen es bei einem Kilogramm Gas, was sich als mehr als ausreichend herausstellen wird.

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Lassen uns im Hauptbahnhof von Trondheim häuslich nieder. Acht Stunden Wartezeit. Postkarten schreiben. Nocheinmal einen öffentlichen WiFi-Hotspot nutzen. Treffen @schmeckerlive aus Deutschland, der schon einen Teil seiner Tour hinter sich hat (https://www.instagram.com/schmeckerlive/).

23.30h. Endlich. Der Zug nach Norden in Richtung Bodo steht auf Gleis 3 zur Abfahrt bereit. Ein aufmerksamer Schaffner empfängt jeden einzelnen und zeigt uns die Richtung unseres Waggons. Vor uns: Berge von Wanderequipment (es ist eigentlich so, wie freitags im ICE). Anscheinend sind wir nicht die einzigen, die eine Wildnistour in Nordnorwegen geplant haben. Schlafe instant wieder ein.

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05.30h. Gleichmäßiges Rumpeln der Waggons lässt mich wieder erwachen. Draussen liegt die Landschaft in einem nebligen Halbdunkel. In der Ferne ziehen Landschaften mit weiten, flachen Seen und spitzen Bergen vorbei.

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Lonsdal. Ein Haus. Ein Funkmast. Finally.

 

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