/Lappland 2013 – 13

Lappland 2013 – 13

Sanfte Dur-Klänge unter meinem Kopfkissen. 06.00h. Zeit aufzustehen. Blick aus dem doppelverglasten Fenster. Von einem Bett aus. Atemberaubendes Schauspiel des Sonnenaufgangs in den Tarradalen. Mit jeder Sekunde wird das Licht anders gebrochen. Ungezählte Regenbögen im feinen Nebeldunst. Rund 50 Wasserfälle stürzen an der Steilwand gegenüber der Erde entgegen.

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Was für ein Frühstück. Wir haben einen Tisch. Und scheinbar unendliche Liter an warmem Wasser. So wie gestern. Haare mit warmen Wasser gewaschen. Das Schleppen der 4 Kilogramm Gas hat sich somit gelohnt. Schlüpfen in trockene und warme Kleidung. Nichts ist mehr klamm.

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Verabreden uns mit den anderen Wanderern am Bootsanleger. Ja, die Fähre nach Kvikkjokk wollten wir gemeinsam nehmen.

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Der Weg. Steinig. Immer flacher werdend. Heidelandschaften und Wald im Wechsel. Kräftige Baumstämme ragen in den Himmel. Bären wurden wenige Tage zuvor gesehen. Veranstalten umsichtig genug Lärm, um eine ganze Horde in die Flucht zu schlagen. Ein paar letzte Windungen. Der Weg. Endet vor dem Schild Battrafik i Kvikkjokk.

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Noch ist es nicht vorbei. Fähre entpuppt sich als Holzboot in Ruderbootgröße. Der Honda 4-Zylinder gibt ein beruhigendes Brummen von sich. Zivilisation. Das Boot ächzt unter den Rucksäcken. Mit an Bord, ein Biologiedozent einer schwedischen Universität, Touristen, Einheimische, die Niederländerin, der Deutsche und wir. Dialekt, Schwedisch, Englisch und Deutsch gehen wild durcheinander. Zeit hätte er. Der Fährmann unternimmt mit uns eine kleine Rundtour im Flussdelta bei Kvikkjokk. Rhythmische Wellen plätschern am Ufer. Digitalkameras klicken.

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Kvikkjokk. Die Straße ins Nichts endet auf einem Parkplatz. Rote Schwedenhäuser. Im Vorgarten schwere, geländegängige Volvos, Quads, Schneemobile. Ein Hubschrauber donnert über uns hinweg. In der Ferne blinkt die rote Kontrollleuchte des Mobilfunkmastes. Zivilisation.

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Frischgebrühter Kaffee wird M und mir in der Fjällstation serviert. Den hatte ich vermisst.

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Unser Zeltplatz. Direkt neben dem berühmten Kungsleden. Wir richten uns für die nächsten drei Tage bis zur Abfahrt des Busses häuslich ein. Zivilisation. Unvorsichtigkeit oder schlichtes Pech. C, F und ich fangen uns eine schwere Infektion ein. Flusswasser schien nur trinkbar. Tatsächlich winde ich mich die nächsten drei Tage vor Magenkrämpfen. Dröhnende Kopfschmerzen. Schweiss läuft mir ununterbrochen über das Gesicht. Die Glieder schmerzen. Essen kann ich nichts mehr.

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Rückfahrt. Erlebe ich nur im Traumzustand. Busfahrt. Seen. Mir ist furchtbar schlecht. Wald. Wann kann ich wieder Medikamente einnehmen. Stadt. Zwei Stunden später. Die Türen öffnen sich. You have to get off. There’ll be another bus. Warten. Türen schließen. Siedlungsgebiete am Straßenrand. Wir sind da. Warten auf den Zug. Drei Stunden. Essen. Mir wird schlecht. Lege meinen Kopf auf den Holztisch vor mir. Irgendwann taucht der endlose Zug aus dem Nichts auf. Und verschwindet mit uns wieder dorthin.

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In unserem Abteil sind nette Leute. Sie waren noch weiter im Norden. Ich will nur noch schlafen.

Zug- und Flugstunden später. Ich kann wieder geradeaus schauen. Liebe Menschen warten auf uns am Flughafen FFM. Neugierde versprühen sie. Wir wissen gar nicht, wo wir zu erzählen anfangen sollen.

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Aufregend ist das Abreisen. Nichts aber ist schöner, als das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein.