/Lappland 2013 – 9

Lappland 2013 – 9

Wir feiern. Weihnachten in Lappland. Ohne Schnee. Mit Kälte.

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Ziehe vorsichtig den Reisverschluss des Zeltes Zehn Zentimeter hoch. Morgendliche Desorientierung weicht eisigem Luftschwall. Wolken bilden mit Nebel eine homogene Masse. Dagegen war es bis jetzt nur kühl. Wir schätzen die Temperatur freundlich auf -10°C. Ziehe meinen Schlafsack im Gesicht zusammen. 5 Minuten Wärme noch.

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Frühstück fällt extrem kurz aus. Die Brenner kämpfen fauchend gegen die Kälte an. Wärme die geröteten Finger an der Aluminiumtasse. Kaffeeähnliches Gebräu lässt gute Laune aufkommen. Versuche, die Bröckchen nicht aufgelösten Milchpulvers zu ignorieren, die auf der Oberfläche dahintreiben.

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Vier Schichten Merino und Kunstfaser. Handschuhe. Mütze. Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Wie Scheuklappen. Den Blick immer nach vorn gerichtet.

 

Irgendwann stimmt jemand ein Wanderlied an. Die Kälte ist wie verflogen. Solange wir singen bleibt es warm.

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Stunde. Um Stunde. Mittagspause. Immer weiter. Immer schneller raus aus der Kälte in Richtung Tarradalen. Hinab in ein Tal wie aus einem Buch über Urwälder. Wir sind in einem Urwald. 200 Meter zur rechten Hand begleitet uns ein träger Strom. Gleichmütig zieht das Wasser mäandernd seine Bahnen.

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Jemand ruft. Seht mal, ein Strand! Jede Silbe gehaucht in Erschöpfung. 20 Kilometer. Unzählige Höhenmeter. Zwischen den Steilhängen imitiert der Strom die Form eines Us. Sandstrand. Völlig abgeschieden. Eingerahmt von Sumpf. Schritte beschleunigen sich. Ein greifbares Ziel liegt vor uns. Ich verlasse den Weg. Hinein in den Dreck. Versinke bis zum Knie im Morast. Elastische Zweige peitschen ins Gesicht. Spüre rote Striemen im Gesicht. Voran. Über faulige, tote Birken. Auf Knien durch ein Loch in der Vegetation. Kein Busch ein Hindernis.

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Letzten drei Meter werden durch hüfthohes Wasser gewatet. Wanderschuhe an den Rucksack geknotet. Rucksack über den Kopf. Versinke 20 Zentimeter im Schlick. Nur nicht das Gleichgewicht verlieren. Das Wasser geht mir bis zur Hüfte. Geschafft. Ziehe im Gehen das Handtuch aus dem Rucksack. Verteile bis zur Wasserkante meine Kleidung auf dem menschenleeren Strand. Kristallklares Wasser empfängt mich. Jede Anstrengung vergessen.

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