/Lappland 2013 – 8

Lappland 2013 – 8

Tag im Zeichen des Hochfjälls. Padjelanta nahe der Tuottarstugorna. Die Landschaft übertrifft in ihrer Kargheit alles Dagewesene. Die letzten Büsche halten sich in muldenartigen Vertiefungen. Sie sind einsame Pioniere. Selbst die widerstandsfähigen Beerengewächse sind verschwunden. 920 Meter über normal Null. Kleine Seen scheinen willkürlich verteilt. Kleckser auf einer Leinwand. ein schneidender, eisiger Wind bläst mir frontal ins Gesicht.

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Weiterer Anstieg entspannend. Gemächlich zieht das Höhenprofil an. Nur nicht plan, sondern in wellenartigem Auf und Ab. Wieder Wetten. Wie oft es wohl noch hoch und runter geht. 1. 2. 3. 4. 5. 6. Sie. Wo ist der Weg? Die Stugorna in Sichtweite. Ein See ist eine unüberwindbare Barriere. Spuren verlieren sich im Matsch. Durchquerung. Das Risiko scheint zu groß.

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Linke Hand finden wir einen Abfluss. Steine. Spitz. Überspült. Unser Weg. Linker Fuss voran. Suche Halt. Rechts der ruhige See. Links der reissende Fluss. Adrenalin durchströmt meinen Körper bis in die Zehnspitzen. Das Gewicht des Rucksacks ist vergessen. Mein Gleichgewicht verlagert sich automatisch nach vorne. Wanderstöcke fangen den beherzten Schritt ab. Der Stein beginnt zu rutschen. Bevor er in der Tiefe verschwindet, gewährt mir sein Nachbar Asyl. Nicht weiter nachdenken. Eins Zwei. Drei. Klettere die rettende felsige Anhöhe hinauf. Gut gegangen. Füße trocken. Furten müssen wir dennoch an einer seichten Stelle. Füße bleiben trocken.

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Begrüßung an der Stuga. Mutter mit Kleinkind und Ehemann. Eine Auszeit vom Trubel Stockholms suchen sie. Brocken zögerlich formulierter schwedischer Sätze zaubern Lächeln in ihre Gesichter. Interessiert saugen sie jedes Wort über unsere Reise auf. Kalt könne es heute Nacht werden, rufen sie uns nach.

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Zelte werden aufgeschlagen an einem namenlosen See. Sicherungshaken für die Spannschnüre in den Boden getrieben. Wir werden beobachtet. Zwei Augen. Vier Füße. Großes Geweih. Offensichtlich haben wir uns an seinem Lieblingsplatz niedergelassen. Bis auf 5 Meter nähert sich das Rentier unserem Lager. Neugierde scheint sich in den Augen widerzuspiegeln. Ein Schnaufen und es zieht mit seinen weiblichen Gefolge von dannen. Kurz bevor wir sie aus den Augen verlieren, bleibt das Männchen auf einer Anhöhe stehen und blickt zu uns zurück. Gestatten, seine Majestät heißt Sie in Ihren Landen willkommen.

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Abends. Wir genießen schweigsam die Stille auf einer Kuppe. Blick auf einen halfdomeartigen Berg gerichtet. Abendessen. Wasserholen. Die Umgebungstemperatur ist soweit gefallen, dass das Seewasser wohltuend warm über meine Hände rinnt. Böen pusten nach dem anstrengenden Tag unangenehm ins Gesicht. Will so schnell wie möglich in mein Zelt. Die Kartuschenkocher beginnen in dieser Höhe zu lahmen. Werde unvorsichtig. Mein Ellenbogen stößt den Topf von der zischenden Flamme. Kochendes Wasser ergießt sich über mein Bein. Verdammt. Schmerzen. Ungleich schlimmer das erneute Kochen. Drehe den Brenner vom Schraubventil. Flüssiges Gas läuft über meine Hand. Schon wieder Schmerzen. Es kümmert mich nicht.

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Heute wird zu dritt im Zelt geschlafen. Nicht Regen wird unser Problem. Unvorsichtigkeit. Ein drittes Mal. Hochgeschreckt aus einem wilden Traum stoße ich gegen die Zeltplane. Eiskaltes Kondenswasser fließt über den Nacken in den Schlafsack.

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Dennoch. Von diesem Tag bleibt nur Gutes. Die Einfachheit lehrt uns Achtung und Hingabe. Gegenüber den Menschen. Der Natur. Am meisten aber gegenüber uns selbst.