/Lappland 2013 – 5

Lappland 2013 – 5

Wieder bei strahlendem Sonnenschein aufgewacht. Hatte er jemals wirklich ausgesetzt? Zwei Tage ununterbrochenen Sonnenschein in Lappland. Wir scheinen Glück zu haben. Heute grundlegend veränderte Natur. Von den Birkenwäldern ist hier nicht viel übrig geblieben. Die letzten Krüppelgewächse begleiten uns bis zu einer majestätischen Hängebrücke. Quer über den Fluss gespannt führt sie zu zu einer verschlungenen Insel inmitten des breiten, ruhig dahingleitenden Stromes. Glasklar. Rundgeschliffene Felsbrocken sind Zeugen der ungeheuren Kraft.

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Atemberaubend. Zur Rechten des Pfades, unten im Tal, der gewaltige Fluss. Inseln wie auf einer Perlenkette. Im Vordergrund reihen sich Samisiedlungen. Rot an Blau an Weiß. Panorama wird komplettiert durch ca 3000m hohen Berg in Norwegen. Er scheint zum Greifen nah. Rast an einem Wasserfall. Eiskalte Wassermassen stürzen sich neben uns in die Tiefe. Die Sicht von hier oben verschlägt uns die Sprache. Dominierende Farbe ist definitiv Blau. Die Seen und Gletscher sind ungezählt. Mein Reis wird kalt. Ich kann meinen Blick nicht abwenden.

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Heute zwei Stürze in der Gruppe. Ausrutschen am Hang. Ausrutschen auf den glitschig-feuchten Bohlen im Moor. Niemand verletzt. Dreckkrusten blättern langsam von der Kleidung, zurück bleibt ein dezentes Braun.

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Regen setzt ein. Tropfen prasseln auf mein schützendes Dach aus festem Gore-Tex. Die gewachste Hose hält vergeblich wenige Minuten stand. Kurz darauf ist sie vollgesogen wie ein Schwamm. Bläschen bilden sich bei jedem Schritt. Abstieg nach Lappajakka. Laune sinkt, wie Erschöpfung und Durchnässung steigen. Rutsche alle drei Schritte aus, während Steine den steilen Abhang vorauseilen. Unten, an der Stuga, Anspannung auf Maximum. Überqueren weiteren Fluss. Regenfälle haben ihn zu einem reissenden Wildwasserbach anschwellen lassen.

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Auf der anderen Seite. Terrasse im Steilhang. Perfekt für die Zelte. Tief unten im Tal ein rundes Bassin. Wie mit dem Zirkel gezeichnet. Unwirklich perfekt. Wolkendecke reisst auf. Bruchstücke verfliegen in die Nachbartäler und beginnen sich dort zu weiterem Unwetter zusammen zu brauen. Ein kurzer Gedanke geht an die Wanderer, die uns entgegen gekommen sind.

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Bannok vorbereiten. Mehl. Salz. Backpulver. Fettige Angelegenheit. Gesamte Margarine wird verwendet, um den Teig im Topf zu frittieren. 500 Gramm Butter. 3500kcal. Meine Arme sind braun. Sonnenbräune. Dreck. Fettspritzer.

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500 Meter oberhalb des Zeltplatzes, immer entlang des sich in kleinen Wasserfällen herabstürzenden Baches, vom Getöse keine Spur. Eine makellose Badewanne. Scheint einladend. Ein Fuß hineingesetzt. Kalt. Eiskalt. Taub. Zweiter Fuß. Kalt. Eiskalt. Taub. Ein Blick zurück auf die Kleidung. Unausstehlicher Geruch. Ich tauche unter. Eins. Zwei. Dr.. Zurück am Ufer komplett gefroren. Genieße die wärmende Kleidung. Ignoriere den Geruch.

Klagen über Anstrengungen sind facettenreich. Drückendes Equipment, schmerzende Muskeln, getapte Füsse. Erneuere meine Pflaster. Blasen gehen zurück. Winde mich aus meinen klammen Klamotten. Hinein in meinen klammen Schlafsack. God natt!

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