/Lappland 2013 – 3

Lappland 2013 – 3

Sitze an einem rauschenden, ca. 20m breiten und glasklaren Fluss, versuche die überwältigende Reinheit dieser Landschaft gedanklich zu fassen. Gerade erst angekommen im Stora Sjöfjället National Park und schon denke ich an Abschied. Zu unwirklich natürlich ist die Umgebung.

Heute Nacht mehrmals aufgewacht. Ist die Fähre schon weg? 2.07am. Warum ist es hell? Wo bin ich? Und schon sinke ich wieder zurück in den wärmenden Schlafsack.

Begrüße meine Kurzsichtigkeit. So bleiben mir die 50 Mücken in der Apsis verborgen. Nicht so F, der mich auf das drohende Unheil vorbereitete. Reissverschluss aufziehen. T-Shirt und Hose im vorbeistolpern greifen. Jetzt nicht über die Zeltstange fallen.

Freiheit. Kein Regen im Gesicht. Keine Wolken, die die unendliche Weite begrenzen. Unser Zeltplatz im Angesicht des Akkamassivs. Kilometerlange Gletscher liegen majestätisch in der Morgensonne. Einladend. Trügerische Sicherheit.

Hastig Zelte abgebaut. Rucksäcke geschultert. Die MS Storlule liegt zur Abfahrt bereit. Das Wasser platscht friedlich gegen die Bordwand. Freundlicher, schwedentypischer Empfang. Man hilft uns in das Boot. Jetzt nicht auf der nassen Bordwand ausrutschen. Gebrochenes Schwedisch zaubert ein Lächeln in das Gesicht des Kapitäns und seines jungen Assistenten. Bis auf eine schweigsame Wandererin sind wir die einzigen Gäste an Bord. DJH-Karte gilt an Bord als Rabattkarte (100SEK Ersparnis). Am Bug pustet der Wind die letzten Zweifel aus unseren Gedanken.

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Eine überwältigende Fahrt in eine andere Welt. Über dem Akkajaure vom letzten Vorposten der Zivilisation mit Mobilfunkmast in den Nationalpark; vom strahlenden Sonnenschein in Regen. Bedrohliche, schwarze Wolken türmen sich zu den Seiten unseres kleinen Bootes auf.

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Ankunft im Regen. Wartende Wanderer. Sichtlich ermattet, schmutzige Kleidung und Dreck im Gesicht. Jeder hat dieses ganz bestimmte Glänzen in den Augen. Wir werden gemustert. Nicht abwertend. Erstaunen spricht aus jedem Augenpaar, gehüllt in enge Kapuzen, als der Regenschauer über uns hinwegrauscht. Respekt für unser Alter. Unsere riesigen Rucksäcke. Und unseren Wagemut, entgegen aller Naivität.

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Die erste Station ist nach wenigen Metern auf einer Anhöhe erreicht. Flache Birkenwälder säumen die von Wanderschuhen ausgetretenen Pfade. Das erste Mal Kochen mit dem Kartuschenbrenner. Kaffee. Fertigessen. Draussen. Wie zu Hause. Fast.

Der Weg. Verschlungen in der Talsenke. Links und rechts von uns ragen gewaltige Berge empor. Die mächtigsten von ihnen ziert ein Gletscher. 100m Birkenwald. 100m Moor. Ein erstes Mal versinkt der Stiefel im Dreck. Daran wurde gedacht, denn Holzbohlen sorgen nun für festen Tritt. Mal eins mit dem Morast. Mal in schwindelerregender Höhe balancieren wir mit 25kg Rucksack über reissende Gletscherbäche.

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Einzelne Pflanzen zu beschreiben wird der Szenerie nicht gerecht. Grün geht in Grün geht in Grün über und kontrastiert kargen Fels.

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Abenteuerliche Hängebrücke über reissenden Fluss, ist Highlight des Tages. Schwankend. Ächzend. Zeltplatzwahl fällt auf das Delta der Flüsse Sjpietjavjahka und Sjnjuvtjudtisjahka. Totholz sammeln. Lagerfeuer. Essen kochen. Abwaschen. Zeit verbringen. Kälte breitet sich unsichtbar über unser Lager aus. Die Sonne verschwindet hinter dem Berg. Es ist Zeit zu schlafen. Es ist hell.

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