/Lappland 2013 – 2

Lappland 2013 – 2

Was war das? Ein kreischendes Geräusch hatte mich jäh aus meinem Traum, Sonne, Weite und Rauschen eines wilden Flusses gerissen. Ich schiebe den Vorhang zur Seite. Draussen ein unbekannter Bahnhof. Backpacker. K ist auch hochgeschreckt. Niemand schläft wirklich tief, zu groß ist die Vorfreude vor dem Unbekannten. Der Zug fährt an und ich versinke in meinem Hochbett. Ohne die Brille aufzusetzen genieße ich das Vorbeirauschen von Bäumen und Seen. Füße kribbeln mittlerweile. Sicher ein Zeichen der Besserung. Genieße das Gefühl, wenn der Zug sich in eine Linkskurve neigt und ich dadurch das Gefühl habe, rückwärts aus dem Bett zu fallen. Frühstück mit Tubenkäse. Also ein Abschied von der Zivilisation, obwohl wir noch gar nicht angekommen sind! Das Stück undefinierbarer Käse wird mit schmutzigen Taschenmessern geteilt. 10 Minuten vor Boden (gesprochen: Buden) hektisches Packen. Versuche Chaos zu lichten und Ordnung wiederherzustellen. Der Blick auf den Gang offenbart, dass wir nicht die einzigen Reisendenin Richtung Polarkreis sind.

Enger Gang, vollgestopft mit Zelten, Matten und Funktionskleidung tragender Menschen

Boden. Grau. Regen. Zug nach Gällivare ist sehr geräumig. Die vier Stunden Fahrt gehen schnell vorbei. Hoffentlich versteht wenigstens nicht jeder unsere Blödeleien. Interessant. In diesem Zug gibt es Gutwetter- und Schlechtwetterfenster. Aktuelles Wetter draussen durch Schlechtwetterfenster sehr sehr schlecht, durch die Gutwetterfenster nur noch schlecht.

Kalter Regen trifft mich peitschend im Gesicht. Gällivare. Sämtliche Mitreisende geben sich unbeeindruckt. Oder will sich niemand die Blöße geben? An eine Umkehr ist sowieso nicht mehr zu denken. Rucksäcke werden geschultert und festgezurrt. Fahrtickets für 210SEK in einem Gebäude neben dem Bahnhof zu erwerben. Wartezeit bis zur Abfahrt des Busses verbringen wir mit Aussicht auf das Hotel Laponia. Scheint gerade erst eingestürzt zu sein. Ungleich hübscher ist der kleine schwarz-roteHolzbahnhof. Die sehr überschaubare Anzahl der Busreisenden besteht hauptsächlich aus Rucksacktouristen. Die Fahrt beginnt unspektakulär. Versinke in einen wohltuenden Tiefschlaf. Als ich aufwache, ist es draussen stockdunkel und Regen prasselt unwetterartig an die Scheiben. Der Bus wird sekündlich von Böen nach links oder rechts gedrückt. Geht gut los.

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Vor Ritsem beginnt sich vor uns eine atemberaubende Landschaft aufzutun. Krüppelkierfernwälder lichten sich und machen bereitwillig dem blanken Fels Platz. Wasserfälle stürzen sich tosend zur Rechten die Vertikale hinab. Links begleitet uns der riesige Stausee Akkajaure. In dessen Hintergrund ragen die eindrucksvollen Vorposten des Sarek empor. Die Straße passt sich der Szenerie an. Je weniger Bäume, umso weniger Asphalt. Schlaglöcher schütteln uns trotz Schrittgeschwindigkeit und Wasser spritzt meterhoch empor. 

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Der erste Stop in der Wildnis ist in Saltoluokta. Wir treffen Deutsche, die bis hierhin mit dem Auto gefahren sind. Zurück im warmen Bus stellen wir fest, dass wir die einzigen verbleibenden Wanderer sind, die die Buslinie bisRitsem nehmen. Einheimische steigen hinzu und vor meinem inneren Auge ziehen Bilder von längst vergangenen Zeiten vorbei. Unbewusst streiche ich über meine Gore-Tex Jacke.

Ritsem. Kleiner Ort mit verstreuten Baracken, Hafen und Parkplatz. Die Straße ins Nichts endet in einem Wendehammer. Unser allererster Zeltplatz ist gegenüber der Anlegestelle des Fährbootes, direkt im Angesicht des gewaltigen Akkamassivs. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages funkeln im See. Unkonventionelles Zähneputzen. Die erste Nacht wird eine Regennacht. Und sie ist taghell.

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