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Tag 4 – Aus kurz mach lang.

Lichtstrahlen dringen durch den grünen Zeltstoff zu mir herein. Schon ist der neue Tag angebrochen, doch meine Gedanken hängen noch im Gestern. Zu beeindruckend war das Naturschauspiel. Wie häufig sieht man schon Polarlichter? Zu euphemistisch sollte man das heutige Wetter nicht betrachten. Graue Wattebauschen versperren die Sicht in die Ferne, ab und zu verirren sich einzelne Regentropfen in Richtung unserem kleinen Zeltlager.

Die erste Etappe des Tages führt uns über einen steilen Anstieg hinauf auf eine Art Hochplateau. Leicht begehbar bis hierhin. Fels und Moosflächen wechseln sich ab. Nach wenigen hundert Metern hat man einen hervorragenden Blick auf den Berg Tellingen, der mit seiner markanten Form deutlich aus der Umgebung heraussticht. Einzig der Weg ist ab diesem Zeitpunkt nun, sagen wir, fakultativ beschildert. Es bedarf eines gewissen Instinktes, die wilde Landschaft und die teils wenig korrekte Karte miteinander in Einklang zu bringen. Umso größer ist dann das Erfolgserlebnis, wenn einer von uns Dreien eine rot leuchtende Markierung an einer Birke oder einem Fels erspäht.

Faszinierend ist nicht nur der Blick nach vorne. Auch unter den Füßen spielt sich allerhand ab. Eindrücklich windet sich der felsige Untergrund; ganz so, wie er vor Ewigkeiten aufgeschichtet und gepresst wurde. Wir fühlen uns, als würde die von der Witterung weggespülte Oberfläche der Schlüssel zu einem Stück Zeitgeschichte sein.

Als sei dies ein Stichwort, entfaltet die Natur urplötzlich ihre ganze Kraft. Dicke Regentropfen peitschen uns ins Gesicht und der Wind setzt so stark ein, dass wir uns beim Gehen ganz locker „anlehnen“ können. Also weiter. Immer weiter.

 

Wir erreichen ein für die hier geltenden Maßstäbe dicht bewaldetes Tal (Applaus an dieser Stelle für die Kiefern und Birken im Miniformat), wo wir beschließen, eine Mittagsrast einzulegen. Lasse mich auf den von Moos und Pilzen überzogenen weichen Erdboden fallen, genieße den Geruch von feuchter Erde. Auf einmal raschelt es im Gebüsch. Wie in einem schlechten Film kommen zwei Wanderer aus dem Unterholz. Sie sind mindestens genauso überrascht von der Tatsache, an diesem wahrlich wenig frequentierten Ort Menschen zu treffen. Kurze Konversation auf Englisch. Einen sächsischen Dialekt hört man allerdings überall auf der Welt raus. Also auch Deutsche. Egal, wie weit man fährt… Tauschen uns angeregt über die jeweils bevorstehende Etappe aus. Und genauso filmreif, wie die beiden aufgetaucht sind, verschwinden sie wieder im Unterholz und ihre Schritte sind nach wenigen Metern vom Moos soweit gedämpft, dass nur noch das Rascheln der Blätter und das Rauschen eines weit entfernten Baches in unsere Ohren dringt.

Wir beginnen das Tal zu queren und stehen nach nur 1h schon vor einer Entscheidung. Hier bleiben oder doch schon den vorausliegenden Bergkamm zu nehmen. Nach kurzem Abwägen beschließen wir weiter zu marschieren. Gut. Also kein entspannter Tag. Dafür mehr Natur. Entschädigt.

Beim Durchqueren des Tals passieren wir unzählige, dunkelbraune Moore. Gerüche, die in der städtischen Gesellschaft weitestgehend verbannt sind, haben hier freien Raum sich zu entfalten. Und doch wäre es unfair, diese unwirtlich anmutende Landschaft, in der jeder einzelne Schritt dadurch erschwert wird, dass man gut 10 Zentimeter (manchmal auch gerne tiefer) einsinkt, abzuurteilen. Denn nur wer genau hinschaut, entdeckt inmitten der verrottenden Birken einzelne, hell leuchtende Blumen, deren Existenz so zerbrechlich wirkt.

Kurz in Gedanken versunken. Und schon kommt er, der falsche Schritt. Der scheinbar feste Grund gibt nach und ich sinke bis zum Knie ein. Eine übel riechende Flüssigkeit steht mir bis zum Knie. Lachend ziehe ich mein Bein wieder heraus. Es sollte nicht das letzte Mal an diesem Tag gewesen sein. Unser Tempo verlangsamt sich durch das Terrain extrem. Versuchen uns im Aufstellen von Trekking-Weisheiten. Hoch im Kurs: Geht es eine Anhöhe 10m hinauf, gehst du mindestens 5m wieder hinunter, nur um die fehlenden Höhenmeter nochmal erklimmen zu können. Es geht doch nichts über eine gute Aussicht ;)

 

Auf der anderen Seite der Sumpflandschaft wartet ein steiler Anstieg darauf erklommen zu werden. Steil bedeutet in diesem Fall, dass der Hang einen so großen Neigunswinkel besitzt, dass man sich einfach nur nach „oben kippen“ lassen muss und dann unterbewusst das ganze Gewicht nach oben stemmt. 100x kippen. 200x kippen. Gerate innerlich in Rage. Wann hat dieser Berg ein Ende. Natürlich fängt es in diesem Moment an zu regnen. Schweiss und Regentropfen rinnen mir über das Gesicht. Ob meine Arme nass vom Regen oder der Anstrengung sind, vermag ich nicht zu sagen.

Endlich oben angekommen, genießen wir einige Minuten auf einer natürlichen Aussichtsplattform. Überblicken den Weg, der uns hinauf geführt hat. Von hier oben sieht alles so klein, so gar nicht schlimm aus. Bevor wir auskühlen, es regnet einfach ununterbrochen, beschließen wir weiterzuziehen.

Vor uns liegt ein erneuter Abstieg durch sumpfigen Morast, der schnell durch feuchte Graslandschaften abgelöst wird. Plötzlich sieht alles aus, wie bei Alice im Wunderland. Inmitten eines verwunschenen Waldes sind wir urplötzlich umgeben von mannshohen Farnen, frühstückstellergroßen Pilzen, mal in grellem rot, mal zurückhaltend braun. Moosteppiche bedecken den Boden und geben einem das Gefühl, über einen matratzenweichen Untergrund zu laufen.

Als wäre das nicht schon surreal genug. Unerwartet steht eine kreisrunde Hütte vor uns. Auf den ersten Blick war sie mir gar nicht aufgefallen, hatten ihre Erbauer sie so ausgeklügelt mit den Moosteppichen bekleidet, dass sie sich nahtlos in die Umgebung einpasst. Wir nähern uns vorsichtig. Es gibt genügend Horrorfilme, die genauso beginnen. Es ist so, als hätte uns jemand wie Spielfiguren unerwartet in dieses Setting geworfen. Doch niemand ist da.

Weder in der Hütte.

Noch in der Umgebung.

Es ist menschenleer (der geneigte Filmfan würde nun einwenden, dass Menschen in diesem Setting eigentlich weniger Probleme machen :D). Wir vertreiben etwaige Gruselgedanken und versuchen ein Feuer innerhalb der in der Hütte vorgesehenen Feuerstelle zu entzünden. Mit mäßigem Erfolg. Bevor wir uns eine Rauchvergiftung zuziehen, steigen wir dann doch lieber auf unseren Gaskocher um. Unser Nachtlager schlagen wir mit einigem Sicherheitsabstand zu Hütte auf, nur für den Fall. Zu unserem Feuer kommen wir dann doch noch. Eine Feuerstelle wenige Meter abseits lädt dazu ein, unseren Müll nicht CO2-Neutral zu entsorgen. Schade, dass es nirgendwo offizielle Müllverbrennungsanlagen gibt. Aber so geht es dann eben auch.

Nach Birkenrindenruß riechend, fallen wir in einen tiefen Schlaf. Die Hütte ist vergessen.

Tag 3 – Im Fjäll. Keine Steine.

Gestrige Strapazen sollen der Vergangenheit angehören. Füße kann ich noch spüren, als sie unten den Schlafsack berühren. Ein kalter Zug weht um meine Nasenspitze durch den offenen Schlitz des Zeltverschlusses. Energie. Langsam werden alle von uns wach. Als zweites drängt sich ein allzu bekanntes Geräusch in mein Bewusstsein. Regen prasselt. Mal leise. Mal laut. Könnte es anders sein? M schält sich neben mir aus dem Schlafsack. Auf geht’s!

Als es gerade nicht zu regnen scheint folgt ein sporadisches Zusammenpacken. Falsch gedacht. Frühstücken findet wieder im Zelt statt. Entschädigend wirkt dagegen die einmalige Freilufttoilette mit Blick auf einen unberührten See. Schneebedeckte Berggipfel ragen in der Ferne empor. Von Osten dringt das Rauschen eines Wasserfalls zu uns herauf.

Queren nach wenigen Kilometer eine trotz des zu überwindenden Abgrunds einladend wirkende Ganzjahresbrücke. Glänzend liegen die frischen Holzbohlen auf querverstrebten Stahlseilen. Unter uns tobt beim queren der Fluss. Jahrtausende muss er sich durch das Felsmassiv seinen Weg gebahnt haben und doch spritzt seine Gischt noch immer meterweit in die Höhe. Schroffe Felswände flankieren nun seine beiden Seiten. Kein Ausrutschen. Dafür Fotosession.

Wetter ist heute unentschlossen. Auf fünfminütige Sonnenepisoden folgen umso längere Regenschauer. Getragen von einem unermüdlichen, nasskalten Wind. Windböen greifen unter die Kapuze und lassen Regentropfen wie Nadelstiche in unsere Gesichter piksen. Wagen in schnellen Schritten den Aufstieg. Unser Blick fällt nun auf eine andere Bergkette in der Ferne, anhand derer wir uns orientieren können. Eine Rentierherde ergreift die Flucht, als sie uns voller Elan in ihre Richtung wandern sieht. Wir sollten uns nächstes Mal zum Saisonende als Rentiereintreiber bewerben. Vergütetes Wandern. Das wäre doch mal etwas ;)

Blick zurück.

Nach einer Abbiegung erstreckt sich plötzlich türkisblauer See vor uns. Dekorativ wird er von Schneefeldern umsäumt. Genießen gebannt für mehrere Minuten den Anblick. Natürlich darf dabei das obligatorische Blaubeerenmahl nicht fehlen! Der nun folgende Weg ist nun durchwegs als matschig zu bezeichnen. Queren immer wieder kleine, den Steilhang hinanbschießende kleine Bäche. Jeder Tritt, ein wackliger Stein. Matschloch. Gut, dass jeder Schlamm irgendwann mal trocknet und dann unter Freisetzung eines wohlriechenden Geruchs abbröckelt.

 

Kommen heute extrem gut voran. Die gestrige Erschöpfung ist neuer Motivation gewichen. Wir passieren zwei Hütten. Perfekt eingerichtet. Es mangelt für die kargen Verhältnisse an nichts. Unglaublicherweise gibt es sogar einen USB Typ A Anschluss zum wiederaufladen von Handy und Kamera, den wir Dank unserer portablen Akkus allerdings nicht in Anspruch nehmen mussten. Genießen stattdessen ein zweites Frühstück während wir das Hüttenbuch durchblättern. Es wirkt wie ein Anachronismus und doch sind seine Seiten mit den Einträgen vergangener Besucher/Bewohner dieser Hütte wie ein zeitliches Kontinuum inmitten dieses Nichts. Ein bisschen Technik gibts dann doch: Selbst bezahlen läuft hier mit Visakarte.

Heimat.

Da draussen.

Provisorisch ist schon stabil genug.

Ewigkeit.

Die zweite Hütte könnte gegensätzlicher nicht sein, doch entbehrt sie nicht einem gewissen Charme. Ihr Fundament ist auf einer terrassenartigen Anhöhe mit Blick auf eben jenen türkisblauen See gelegen. Sobald man die Eingangstür durchschritten hat, werden die Unterschiede deutlich: Ein offener Kamin befindet sich direkt gegenüberliegend, eine karge Holzausstattung umfasst einen Tisch, zwei Bänke und etwas, das ein provisorisches Nachtlager in eiskalten ermöglicht. Licht fällt durch ein 1x1m großes, einfach verglastes Fenster herein und ermöglicht schemenhaftes Sehen. Für ein paar Sekunden fühlt man sich wie ein Trapper in di Caprios Film.

Dann empfangen uns draussen wieder kräftige Sonnestrahlen, lassen die Umgebung funkeln. Eine Hummel fliegt vorbei.

Szene.

Perspektive.

Wenige Kilometer später finden wir unseren Zeltplatz. Das Wort „Perfektion“ scheint in einem materialistischen Kontext der Szenerie kaum angemessen. Wir schlagen auf einer Wiese hinter dem Kiesstrand unser Lager auf. Beidseits Gebirgsketten, vor und hinter uns Wasser. Über uns der strahlend blaue Himmel. Und wir fragen uns, ob es einen jemals atemberaubenderen Eindrück von der Natur geben könnte. Das Wasser des Sees ist so klar, dass man die perfekt-runden Kieselsteine des Strands noch dutzende Meter hinaus und hinab in die Tiefe verfolgen kann.

Stay for the night. Okay not for us :D

Geschliffen.

Was folgt, ist klar. Reissen uns sämtliche Klamotten vom Körper. Die Außentemperatur weicht kaum von der Wassertemperatur ab. Da fällt die Überwindung auch nur noch halb so schwer. Schuhe aus. Socken aus. Gott, ist das kalt. Vergesse die Wunden an den Füßen, bis ich einen Schritt auf den Kieseln gegangen bin. Schmerzen durchzucken meinen Fuß. Egal, jetzt gilts. Mit drei Schritten ist der Strand überquert, also ab ins Wasser. Der Moment währt nur wenige Sekunden. Fühle, wie ich mich wenige Sekunden später in das Handtuch hülle und versuche, das Gefühl in den Gliedmaßen wieder zurückzuholen.

Auftauen.

Genießen am Strand die letzten Sonnenstrahlen des Abends. Kurzer Moment der völligen Stille. Bis der Kies wieder unter unseren Füßen knirscht. Das Abendessen kommt uns heute vor, wie ein Festmahl. Dazu Schwarztee mit Whiskey. Könnte perfekter kaum kommen. Plötzlich hören wir in der Ferne den ersten Menschen seit Tagen. In einigen Kilometern Entfernung können wir das Leuchten einer Lampe auf einem Boot in der ansonsten Pechschwarzen Nacht ausmachen. Es dreht ab. Genug Platz für alle. Kurze Zeit später ist es wieder vollkommen still.

Tauchgang.

Nachtrag: An diesem Abend war an Schlafen noch lange nicht zu denken. Kontinuierlich bließ ein kalter Wind über den See. Vier Lagen Kleidung halten das gröbste draussen. Doch es hat sich gelohnt. Polarlichter wabern über unsere staunenden Köpfe hinweg. Zeitweise leuchtet der gesamte Himmel. Wahnsinn. 1.5h später. Reflektorisches Zittern täuscht nicht über die Minusgrade hinweg. Zeit, um Kraft für den nächsten Tag zu tanken.

Finanziert. Nicht.

Tag 2 – oder „real whiskey on the rocks“

… oder wie man hart an seine Grenzen kommt

 

Heute steht großes bevor.

Das Steindalen. Überschwängliche Schwärmerei in Blogs und Foren. Gerüchte und Geschichten ranken sich um dieses Tal. Und dennoch gibt es kaum richtige Informationen über die Route, die wir uns vorgenommen haben. Höhenprofil sieht durchschnittlich schwer aus. Kann also nur gut werden. Hoffe ich.

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Zeltabbau klappt im Halbtrockenen. Zum Frühstück suchen wir provisorisch Schutz hinter einem Felsen, als uns Winde von Westen kommend überraschen. Zusammengekauert zu dritt um die Wärme des Gaskochers. Über uns hinweg fegt die Naturgewalt. EDEKA. Schoko-Müsli schmeckt trotzdem bravourös. Die Regenintensität schwillt an. Los geht’s.

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Zwischen zwei Bergmassiven (ca 1500m) führt uns der Pfad immer weitere im Tal hinauf. Regen peitscht ins Gesicht. Bei jeder Änderung der Windrichtung prickelt es, als die Rezeptoren bereits sind neu zu feuern. Tut gut.

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Unsere Laufgeschwindigkeit bringt uns enorm schnell voran. Weg existiert nur sporadisch. Untergrund ist weich. Wir queren einen Zufluss des reissenden Stromes, der uns seit heute morgen begleitet.

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Hätte ich nun vorher gewusst, welche Zäsur diese Überquerung mit sich ziehen würde. Ich hätte die restliche Tagesetappe wohl nicht geschafft. Doch: Eines. Nach. Dem. Anderen.

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Vor uns liegt nun erneut ein Tal, welches beidseits von zwei gigantischen Bergmassiven eingerahmt wird. Oben auf liegen Eisfelder wie Hauben. Unser weg ist über dutzende Kilometer weit einsehbar.

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Sieht von weitem machbar aus. Wir kommen näher. Weg entpuppt sich als Tanzeinlage über Geröllfelder. Steine. A4 bis hin zur Größe eines Fahrrades. Wahllos ausgekippt. Kippelig. Immer auf der Suche nach der spärlich verteilten roten Markierung.

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So geht es nun 17km. Zunächst schnell. Dann immer langsamer. Jeder Schritt muss sitzen, sonst rutscht man schnell ab. Zwischen den Felsbrocken tun sich kleine Spalten auf.

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Rutsche dann doch ab. Fange es mit den Stöcken ab. Knicke ein paarmal um. Kein Ende in Sicht. Während dessen peitscht der eiskalte Wind uns frontal ins Gesicht. Fluche leise. Egal. Einfach weiter.

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Wir erreichen oben einen kleinen kristallblauen See, der von kleinen Eisfelder gesäumt ist. Eine Tatonka-Tasse voll Gletschereis + Whiskey für uns drei. Brennt kurz im Mund. Dafür brennen die Fusssohlen einen Moment nicht. Stützmotorik klappt immer noch, also weiter.

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Die Geröllfelder scheinen kein Ende zu nehmen. Manche Steine scheinen so hoch aufgeschichtet zu sein, dass zwischen ihnen in gut einem Meter Tiefe ein Flussbett sich ausgebreitet hat. Hier oben sind die einzigen Pflanzen Moos und verrottetes Moos. Weit und breit. Inspirierend, nicht wahr? Aber so einfach kann es laufen.

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Erblicken plötzlich den Sore Bjollavatnet. Abstieg. Nicht nur der Weg, sondern auch die Kraft. Achte nur noch darauf, mit dem Rucksack nicht zu stürzen.

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Ein Zeltplatz voraus. Lasse meinen Rucksack einfach fallen und sinke erschöpft ins Gras. Keinen Schritt weiter. Zelt mit letzten Kräften aufbauen. Pünktlich bricht ein Schauer über uns herein. 20km. Geröll, Fels, Eis, Regen, Sonne, Sturm. Gönnen uns ein ausgiebiges Abendessen. Tut gut.

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Schreiben im Zelt ist zum bisherigen Tag sehr gemütlich.

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Unser Kühlschrankthermometer zeigt für draussen knackige 4°C, drinnen gerade zu sommerliche 18°C.

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Ein Hoch auf das Doppelzelt. Im Hintergrund rauscht ein Wasserfall, den wir morgen laut Karte überqueren werden.

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Gigantisch.

Norwegen Tag 1 – Davon, den richtigen Weg und den besten Zeltplatz zu finden

Die besten Dinge starten zu Beginn selten reibungsfrei. Manchmal ist es der Weg selbst, der sich verborgen zwischen Birken so gut versteckt, dass wir heute nach dem Motto laufen: Der Weg ist das Ziel. Welch Ironie. Kraxeln die steilen Hänge einer Abraumhalde hinauf, wagen uns ein paar hundert Meter in die Wildnis, doch kein Weg. Erst auf halbem Weg zurück zur Bahnstation, gut 2h später. Ein ausgetrampelter Pfad, kaum zu sehen und leicht bedeckt von schüchtern wachsendem Gras. Es kann losgehen!

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Waldiges Gelände führt uns emporwärts. Unaufhaltsamer Nieselregen prasselt auf Kleidung, Rucksack, Brille. Willkommen im Fjell. Immer weiter zieht sich der Pfad den Hügel hinauf. Regel Nummer 1: Läufst du 10 Höhenmeter hinauf, so geht es mindestens auf der anderen Seite wieder 5m hinunter, nur um dann wieder 10 Höhenmeter hinaufzuführen. Zwischendurch immer wieder die Karte checken. Diesen Weg wollen wir nicht verlieren.

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Dennoch. Irgenwann ist man oben. Und dann belohnen die Blicke über weite Ebenen mit tief darinhängenden Wolkenmassen jede Anstrengung. Viele Kilometer erstreckt sich vor uns ein grauer See zwischen mehreren Bergmassiven. Aufgewirbelt durch einen rauen Wind. Inmitten des Sees befinden sich zwei Inseln. Im Sommer genial. Wagen den Abstieg zu einer Hütte am Ufer. Abgeschlossen. Im Ernst. Genießen unser Frühstück im Wind davor. Genauso gut.gopr0317

Folgen den dicht am See verlaufenden Weg. Zunächst kommen wir über ebenes Terrain gut vorran und trotzdem dem Regen. Nach wenigen Kilometern stecken wir mittem im waldigen Morast und der Regen setzt wieder ein. Von unserem Tagesziel, wenigstens noch einen Teil des Steindalen zu durchqueren, sind wir längst abgerückt. Dafür ist die Markierung gut nachzuvollziehen.

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Zwischendurch immer wieder kleinere Anstiege. Kleine Sumpfgebiete liegen wie auf Terrassen vor uns. Bei Regen laufen diese wie Bassins voll. Ein kleiner Vorgeschmack. Versuchen empirisch herauszufinden, welche Gräser die größte Trittfestigkeit besitzen. Klappt. Meistens.

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Verabschiede mich nach wenigen Metern vom neuwertigen Look der Fjäll Räven Hose. Der Matschkrustenpegel übersteigt mittlerweile die Mitte des Oberschenkels. Weiter so. Die Erde quittiert Fehltritte mit einem lauten Schmatzen. Am Wegesrand befinden sich handtellergroße Pilze von braunem, rotem und weißem Farbton.

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Der Weg führt uns Stück für Stück immer weiter das Bergmassiv hinauf. Über uns ist nicht mehr auszumachen, von welcher Wolkenfront wir mit Regengüssen bedacht werden. Wind vom Steindalen aus kommend pustet uns die dicken Regentropfen direkt ins Gesicht.

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Insgesamt bestreiten wir an diesem Tag einige Kilometer im Vorgriff auf die morgige Etappe. Irgendwann sind wir so nass und der Gegenwind bläst so stark, dass wir eine geeignete Stelle als unseren Zeltplatz auswählen.

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Das Panorama beigeistert uns, obwohl der Regen zunächst von seiner Intensität noch zu nimmt.

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Glitzernd funkelnd liegt der See plötzlich vor uns, als sich einzelne Sonnenstrahlen einen Weg durch die bauschige Wolkenschicht bahnen.

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Zur linken liegt ein kleines Flussdelta. Jahrelanges zuführen von Schlamm hat mit der Zeit eine halbmondförmige Insel aufgeschichtet. Danach fällt die Grundlinie stark ab.

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Das erste Mal Wasserfiltern draussen. Die Wasserstelle gleich einem Gemälde. Mit erröteten Fingern pressen wir das eiskalte Wasser durch die Sawyerfilter in unsere Trinkflaschen.

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Kurz vorm Regenschauer steht unser Lager. Alles ist verzurrt und ins Trockene gebracht. Schutz suchen. Etappe eins ist geschafft. Schlafen.

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*/ Der Name des Sees lautet „Kjemavatnet“.

Wildnis – 1 = Dienstag, 30.08.2016

Theorie und Praxis sind immerhin manchmal deckungsgleich. Schlafen an Flughäfen erweist sich als etwa so erholsam, wie der Versuch Schlaf zu finden, wenn ein Stockwerk höher eine WG-Party stattfindet. Wachwerden im Minuten Takt. Handy. Portmonnaie. GoPro. Alles noch da.

05.00h. Beide Hände eingeschlafen. Nächstes mal vielleicht doch nicht alles so fest umklammern. Zeit zum Aufstehen. Dank großem Polizeiaufgebot kommt hier nichts weg. Dennoch: Musternde Blicke von Pauschaltouristen durchbohren uns beim Aufräumen. Scheint für so manch einen doch nicht so einfach zu sein Dinge zu akzeptieren, die außerhalb der Norm liegen. Auf der anderen Seite: Es gibt dann doch genug Gleichgesinnte, die sich langsam auf den Weg zu ihrem Flieger machen.

F und ich suchen Netto, um Frühstück zu kaufen. 2 Baguettes, Käse, Wurst. Großartig simpel. Wozu Fertigessen vom Bistro, wenn man doch seinen gesamten Hausstand mit sich herumträgt? Feiern unser Festmahl direkt vor dem Check-In. Diesmal gibts neidische Blicke.

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Check-In. Kein Alarm trotz weißem Milchpulver im Handgepäck. Rucksackgewicht liegt bie 19,8kg. Glück gehabt! Der Rest kommt ins Bordgepäck. Wir rollen auf die Startbahn. Sanfte Müdigkeit überwältigt mich.

Erst eine sanfte Landung weckt mich wieder. Temperatursturz. Unwillkürlich überkommt mich ein leichtes Zittern. Die skandinavische Interpretation von Sommer ist in den ersten fünf Minuten immer etwas gewöhnungsbedürftig. Von draussen prasseln dicke, kugelige Tropfen an die Scheiben. Kleine Seen bilden sich auf dem Rollfeld neben uns.

Eingangshallle Trondheim Lufthavn. Niemand mustert uns. Drei vollbepackte Menschen scheinen für die Norweger kein ungewohntes Bild abzugeben. Erblicke erstaunt ein Tesla-Taxi. Unser Versuch, beim Busfahrer nach Trondheim Innenstadt bar zu bezahlen, führt zu einem wissenden, verständnisvollen Lächeln. Immerhin keine Kartengebühren. Busfahrt. Zirka 30 Minuten braucht der Shuttle-Bus vom Flughafen zur Innenstadt. Um die Unterhaltung zu wahren, sind sämtliche Ansagen des sehr freundlichen Busfahrers auf Norwegisch. Ab und zu mustert mich der Busfahrer im Rückspiegel fragend, ob wir aussteigen wollten. Nehmen eine Haltestelle nach Gut Glück und liegen genau richtig.

Sport 1 Trondheim

Gaskartuschen auftreiben. Ohne sie geht die nächsten 10 Tage nichts. Entdecke zum Glück zwei Straßen weiter einen Outdoorladen, der eine großen Vorrat besitzt. Damit wäre dann auch bewiesen, dass man in Trondheim ohne Probleme Kartuschen kaufen kann (ganz anders, als es weitläufig im Internet heißt). Belassen es bei einem Kilogramm Gas, was sich als mehr als ausreichend herausstellen wird.

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Lassen uns im Hauptbahnhof von Trondheim häuslich nieder. Acht Stunden Wartezeit. Postkarten schreiben. Nocheinmal einen öffentlichen WiFi-Hotspot nutzen. Treffen @schmeckerlive aus Deutschland, der schon einen Teil seiner Tour hinter sich hat (https://www.instagram.com/schmeckerlive/).

23.30h. Endlich. Der Zug nach Norden in Richtung Bodo steht auf Gleis 3 zur Abfahrt bereit. Ein aufmerksamer Schaffner empfängt jeden einzelnen und zeigt uns die Richtung unseres Waggons. Vor uns: Berge von Wanderequipment (es ist eigentlich so, wie freitags im ICE). Anscheinend sind wir nicht die einzigen, die eine Wildnistour in Nordnorwegen geplant haben. Schlafe instant wieder ein.

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05.30h. Gleichmäßiges Rumpeln der Waggons lässt mich wieder erwachen. Draussen liegt die Landschaft in einem nebligen Halbdunkel. In der Ferne ziehen Landschaften mit weiten, flachen Seen und spitzen Bergen vorbei.

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Lonsdal. Ein Haus. Ein Funkmast. Finally.

 

Links:

–> http://bruun.no/

–> http://www.sport1.no/butikk/axel-bruun-sport/

Wildnis – 2 = Montag, 29.08.2016

Keine 12h mehr, dann geht es los. Auf in den Norden. Auf nach Norwegen. Wetterlage: Unbekannt. Doch das soll mich jetzt nicht kümmern. Frühstücksrationen fehlen noch. DM. Kaufe Babymilch, Eigenmarke, „ab 12 Monaten“. Schmeckt hoffentlich weniger infantil, als die Verpackung suggeriert. Werde ungehalten von rechts gemustert. Vorwurfsvolle Mutterblicke durchbohren mich. Warum ich wohl keine teure Milupa Milch für mein Kind kaufen würde. Wenn sie wüsste. Edeka. Müsli Schoko/Haferflocken in rauen Mengen unter den Arm geklemmt. Küche. Tütchenweises Abwiegen. 120 Gramm Müsli + 30 Gramm Milchpulver. Kalkuliertes Frühstück. Einladend. Riecht nach Vanille. Immerhin :) Tupperdose voller Instant-Kaffee. Grinsen. Yeah!

Packen mit J, M, F. Aussenstehende sehen fasziniert das Chaos im Zimmer. Wir die effiziente Packstrategie und die effektive Gewichtsverteilung im Rucksack. Zum Glück fehlt bei der Ausrüstung nichts. Kollektive Vorfreude macht sich breit. Sowas gabs schon sehr lange nicht. Anspruchsvoll wird es wohl werden. Tourberichte versprechen knackiges Terrain. Abwarten. Finden wir es einfach heraus!

ICE

Gemütliches Dahingondeln im ICE. Anwesende Passagiere taxieren uns mit Neugier. So recht fragen, was wir wohl vorhaben, will dann doch niemand. Wahrscheinlich sind unsere Klamotten noch nicht schmutzig genug.

23.30h Berlin Hbf. Hier schläft definitiv noch niemand. Setzen mit Tram und S-Bahn über nach Schönefeld. Leute fragen uns nach unserem Ziel. Schnell gibt es Tipps für die richtige Verbindung. Eine Stunde später. Hauptsache Flughafen. Merke: In jedem Namen liegt ein wahrer Kern.

S-Bahn nach Schönefeld

00.30h Schönefeld Airport. Warme Luft schlägt mir aus der Empfangshalle D entgegen. Polizisten mit MPs und Putzkolonnen mit Wischmaschinen. Jede Menge gestrandeter Urlauber überall, allseits verteilt auf die vorhandenen Sitzbänke. Bloß über niemanden stolpern. Finden in einem Zwischengang genug Platz.

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Thermarest auspacken. Vorübergehend gestrandet. Klimaanlage zieht. Gut, hat ja niemand gesagt, dass Flughäfen die besseren *****-Hotels seien.

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Es ist taghell unter dem Neonlicht. Und falle in einen unruhigen Schlaf. Pünktlich zum Sonnenaufgang bin ich wieder wach. Hat sich gelohnt :)

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Los geht’s.

Es kommt der Zeitpunkt, da geht es los. Langes Planen, langes Abwägen, langes Warten. Doch irgendwann steht man da, mitten im Regen und man weiß: Jetzt gibt es kein Zurück.

#trondheim Skyline. ✈️ #tourstart #10grad #ingwerbrause

Ein von Lukas Kritzner (@lulovco) gepostetes Foto am

#Vorfreude

Zwar geht es nicht genau dort lang, doch die Region stimmt. Ob wir wohl auch so viel Glück mit dem Wetter haben werden? :D

4 Wochen

So langsam ist es an der Zeit, den Countdown anzuwerfen. Bahn und Flieger sind gebucht, die Route ausgearbeitet. 180km durch den Saltfjället-Svartisen Nationalpark liegen vor uns. Zeit, für warme Klamotten zu sorgen. Noch scheint es unberechenbar, welche Temperaturen uns erwarten. Hoffen wir, dass der Schnee wenigstens nicht auf dem Wasser treibt ;) Bilder auf Blogs, in Foren und Fotosharing-Seiten versprechen großartige Ausblicke.

 

Auf gehts also zum Endspurt. :)

 

(M)ainfischbar in Würzburg

Fischbrötchenessen & Feuerwerk #würzburg #mainufer #krabbewuerzburg #lernpause

Ein von Lukas Kritzner (@lulovco) gepostetes Video am

Hundertmal dran vorbeigegangen. Am Ende fast so gut wie Fisch im Sommerurlaub am Meer. Pommes mit Zitrone. Top.
Volle Empfehlung für warme Sommerabende.

https://de-de.facebook.com/FischbarZumKrebs/